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Kaninchen: Kastration des Kaninchenbocks

Allgemeines

Bei einer Kastration handelt es sich um die chirurgische Entfernung beider Hoden. Dadurch wird nicht nur die Zeugungsfähigkeit unterbunden, sondern auch das durch die Geschlechtshormone, die in den Hoden gebildet werden, beeinflusste Verhalten der Tiere verändert.

Bei einer Sterilisation hingegen werden lediglich die Samenleiter durchtrennt. Dieser in der Humanmedizin übliche Eingriff wird in der Tiermedizin nicht durchgeführt.

Durchschnittlich werden männliche Kaninchen im Alter zwischen 10 und 12 Wochen zeugungsfähig. Bei großwüchsigen Rassen tritt die Geschlechtsreife eher noch etwas später ein. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Kaninchenbock in der Lage, weibliche Partnertiere zu befruchten – und tut dies meist erfolgreich, da der Eisprung erst durch den Deckakt selbst ausgelöst wird. So finden Spermien und Eizellen optimal zueinander. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter den Einträgen weiblicher Geschlechtsapparat sowie männlicher Geschlechtsapparat.

Zeitpunkt der Kastration

Grundsätzlich wird zwischen einer Frühkastration und einer Kastration bereits geschlechtsreifer Kaninchen unterschieden.

Eine Frühkastration kann etwa ab der 6. Lebenswoche durchgeführt werden. Der Eingriff muss auf jeden Fall vor Eintritt der Geschlechtsreife, also spätestens vor der 12. Lebenswoche, erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt wurden in den Hoden noch keine Spermien und keine Geschlechtshormone produziert. Das bedeutet, dass die Böcke nach dem Eingriff sofort wieder zu ihren Partnertieren verbracht werden können.

Bei einer Kastration nach Eintritt der Geschlechtsreife kann das männliche Kaninchen noch bis zu sechs Wochen nach dem Eingriff zeugungsfähig sein, da sich Spermien in der Samenblase speichern und dort über diesen langen Zeitraum befruchtungsfähig bleiben. Die kastrierten Böcke dürfen daher erst nach Ablauf dieser Zeit mit ihren unkastrierten, weiblichen Partnertieren vergesellschaftet werden. Diese Isolation von der Familie führt meist dazu, dass das kastrierte Kaninchen wieder vollkommen neu in die Sippe eingewöhnt werden muss, da sich innerhalb der Familie eine neue Rangordnung gebildet hat.

Mögliche Vorteile einer Kastration

  • Vermeidung von unerwünschtem Nachwuchs: Die gemeinsame Haltung von einem männlichen und mehreren weiblichen Kaninchen entspricht am ehesten dem natürlichen Verhalten von Wildkaninchen in einer Sippe. Da Kaninchen jedoch äußerst fruchtbare Tiere sind (siehe Fortpflanzung), sollten Kaninchen in Haustierhaltung unbedingt kastriert werden. In Tierheimen und Zoohandlungen wartet bereits eine sehr große Anzahl von Tieren auf eine artgerechte Unterbringung.
  • Vermeidung von Urinspritzen/Harnmarkieren: Geschlechtsreife Kaninchen spritzen Urin an senkrechte Flächen, um ihr Revier zu markieren. Weibliche Kaninchen zeigen dieses Verhalten deutlich seltener. Eine frühe Kastration kann dieses in Haustierhaltung unerwünschte Markieren unterbinden.
  • Verminderung geschlechtsspezifischen Verhaltens: Das Geschlechtshormon Testosteron steuert das für männliche Kaninchen typische Verhalten. Dazu gehören neben Harnmarkieren ein starkes Dominanzverhalten innerhalb einer Kaninchensippe sowie der Kampf um weibliche Tiere. In der freien Wildbahn lebt ein männliches Tier üblicherweise mit mehreren weiblichen Tieren gemeinsam in einer Sippe. Diese Sippen schließen sich dann häufig zu großen Verbänden zusammen. Durch eine Kastration können auch mehrere männliche Tiere gemeinsam gehalten werden. Dies führt meist zu friedlichem und ausgeglichenem Verhalten in der Gruppe – und dadurch zu mehr Zutraulichkeit gegenüber den Besitzern. Bedingung hierfür ist jedoch ein ausreichendes Platzangebot mit Rückzugsmöglichkeiten.

Mögliche Nachteile einer Kastration

  • Operations- und Wundheilungsrisiko

Operationsvorbereitung

Kaninchen dürfen vor einer Narkose – im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren – NICHT fasten. Lediglich auf Grünfutter/Frischfutter sollte wegen möglicher Blähungssymptome verzichtet werden. Kaninchen besitzen ein sehr spezielles Verdauungssystem, das nur bei ständiger Nahrungsaufnahme funktioniert. Hier finden Sie weitere Einzelheiten zu Fütterung und Verdauung.

Operationsverlauf

Die Kastration erfolgt unter Narkose, die entweder durch eine Injektion oder eine Inhalation erfolgen kann. Einige Medikamente sind antagonisierbar, d.h. nach Ende der Operation kann die Wirkung mit Hilfe eines weiteren Medikaments wieder aufgehoben werden. Die Tiere sind dadurch schnell wieder bei vollem Bewusstsein. Dieses Vorgehen scheint die Stressbelastung für Kaninchen deutlich zu reduzieren und sie beginnen schneller wieder zu fressen.

In Narkose werden die unbehaarten Hauttaschen, in denen sich die Hoden befinden, eröffnet, die Hoden vorgelagert, abgebunden und entfernt. Ein Verschluss der Hauttaschen durch eine Naht oder Klammern erfolgt nur selten, da diese meist schnell von allein verkleben.

Abb. FZAX8CHP
Abb. FZAX8CHP: Hauttaschen mit Hoden bei einem männlichen Kaninchen.
Bei einer Frühkastration können die Hoden eventuell noch nicht abgestiegen sein, sondern noch in der Bauchhöhle liegen. Der Operationsverlauf ist hier etwas anders und deutlich anspruchsvoller für den Tierarzt.

Im Rahmen der Kastration kann die Gabe weiterer Medikamenten wie Schmerzmittel, Antibiotika oder Infusionen notwendig sein. Der behandelnde Tierarzt wird im Einzelfall über die Notwendigkeit entscheiden.

Nachsorge

Sobald die Kaninchen wieder vollständig wach sind, sollten sie abgeholt und in ihre vertraute Umgebung gebracht werden. Auch der Kontakt zu Partnertieren direkt nach dem Eingriff ist durchaus sinnvoll, jede Trennung der Tiere ist zu vermeiden.

Die Tiere benötigen jedoch während der ersten drei Tage nach dem Eingriff eine gründliche Beobachtung. Insbesondere Körpertemperatur und Futteraufnahme müssen genau überprüft werden. Kaninchen sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Daher kann bereits auf dem Weg aus der Tierarztpraxis nach Hause eine – fest in ein Handtuch eingewickelte – Wärmflasche hilfreich sein. Die Körpertemperatur sollte immer zwischen 38°C und 39°C betragen und zumindest am OP-Tag mehrmals überprüft werden. Die Messung erfolgt rektal. Bei Unterschreitung der Körpertemperatur können Wärmflaschen oder Heizkissen hilfreich sein, die in der Nähe des Kaninchens untergebracht werden.

Nach dem Eingriff sollten die Kaninchen schnellstmöglich wieder Futter aufnehmen. Wird einige Stunden nach der Operation noch nicht gefressen, muss umgehend eine Zwangsfütterung erfolgen.

Um eine Verschmutzung der Operationswunde zu vermeiden, sollte bis zum vollständigen Abheilen der Hautwunde nur der Toilettenbereich des Stalls mit Einstreu versehen werden. Im restlichen Stall helfen Küchenrolle, Handtücher, Zeitungen oder ähnliches die Wunde sauber zu halten. Die Hautwunde muss mindestens einmal täglich untersucht und gegebenenfalls gesäubert werden. Insbesondere im Sommer stellt der Befall mit Fliegenmaden eine große Gefahr dar.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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