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Kaninchen: Jungtieraufzucht

Gleich nach der Geburt werden die Jungtiere abgeleckt, die Nachgeburt und die Nabelschnur bis auf wenige Zentimeter abgefressen.

Die Jungtiere sind Nesthocker mit geschlossenen Augen und ohne Körperbehaarung. Sie orientieren sich in den ersten Tagen nur nach ihrem Temperatur- und Tastsinn. Das Gesäuge der Häsin finden sie durch pendelnde Kopfbewegungen.

Abb. FZB39H3Q
Abb. FZB39H3Q: Jungtiere im Nest kurz nach der Geburt.
Bei ausreichendem Platzangebot sucht die Mutter das Nest nur ein- bis dreimal täglich für wenige Minuten zum Säugen auf. Nach jedem Besuch verschließt sie das Nest sorgfältig. Dies dient dem Schutz der Jungtiere und sorgt für eine gleichmäßige Temperatur im Nest, die zwischen 30°C und 35°C liegen sollte. Junge Kaninchen sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, viele Jungtierverluste in den ersten Tagen werden durch Unterkühlung hervorgerufen. Daher sollte das Nest keinesfalls geöffnet werden, um die Jungtiere zu beobachten. Eine einmalige Kontrolle in den frühen Morgenstunden muss ausreichen.

Etwa ab dem 10. Lebenstag öffnen die jungen Kaninchen ihre Augen. Wenige Tage später ist ihre Seh-, Hör- und Riechfähigkeit voll ausgebildet und die Tiere verlassen erstmals das Nest. Jetzt kann zum ersten Mal versucht werden, die Jungen an die menschliche Hand zu gewöhnen. Sie können sich jedoch bereits blitzschnell aus der Hand winden, die Verletzungsgefahr für die Jungtiere ist dabei hoch!

Abb. FZB3BLZQ
Abb. FZB3BLZQ: Jungetiere etwa 10 Tage nach der Geburt.
Nach dem Verlassen des Nestes kümmert sich meist auch der Vater um die Aufzucht der Jungen. Nur bei mangelndem Platz muss befürchtet werden, dass das Vatertier aggressiv gegenüber den Jungtieren reagiert oder diese sogar tötet.

Etwa ab dem 16. Lebenstag ist das Haarkleid der Jungtiere vollständig ausgebildet.

Ab der 4. Lebenswoche nehmen die Jungtiere neben der täglichen Milchmahlzeit bei der Mutter meist auch Futter und Wasser auf. Zusätzlich fressen die Jungtiere auch den Blinddarmkot der Häsin. Dies ermöglicht ihnen den Aufbau einer Darmflora, die die Verdauung von Pflanzen möglich macht. Weitere Informationen hierzu unter Verdauungsapparat.

Die vollständige Absetzung durch das Muttertier erfolgt meist bis zur 8. Lebenswoche. Ideal ist es jedoch, die Jungtiere bis zur 10. Lebenswoche bei der Häsin zu lassen. Dies führt zu einem ausgeprägten Sozialverhalten und ermöglicht später eine einfachere Vergesellschaftung der Tiere in anderen Sippen. Zumindest alle männlichen Jungtiere sollten in dieser Zeit bereits kastriert werden (siehe Kastration der männlichen Tiere).

Störungen bei der Aufzucht der Jungtiere

  • Unterversorgung der Häsin: Eine so genannte Hypokalzämie (Unterversorgung mit Kalzium) und eine gleichzeitige Hypoglykämie (Unterversorgung mit Kohlenhydraten) treten häufig bei säugenden Häsinnen mit großen Würfen und unzureichender Fütterung auf. Die Tiere fressen nicht mehr, sind apathisch, weisen Muskelzittern auf und sterben häufig sehr schnell. Der Grund hierfür liegt in einer unzureichenden Versorgung mit Kalzium. Nur durch mit Kalzium angereicherte Infusionen kann das Leben der Häsin gerettet werden.
  • Vorbeugend sollten trächtige und säugende Häsinnen ausreichend mit Kalzium versorgt werden. Kalziumreiche Futtermittel sind beispielsweise Löwenzahn, Brokkoli, Petersilie und Luzerne (siehe auch Fütterung).
  • Gestörte Brutpflege: Besonders Häsinnen, die zum ersten Mal werfen, zeigen teilweise eine gestörte Brutpflege. Die Häsinnen sind unruhig und nervös. Zudem werden sie direkt nach der Geburt wieder deckbereit. Diese Hormonumstellung scheint bei einigen Tieren ebenfalls zu Stress zu führen. Ist für Häsin und Jungtiere ausreichend Platz vorhanden und die natürliche Trennung von Muttertier und Jungen möglich, kommt es jedoch äußerst selten zu Störungen der Brutpflege. Die Häsinnen reagieren in der Regel nur gestresst, wenn die Nähe zu den Jungtieren zu eng ist und dadurch der Kontakt zu häufig stattfindet.
  • Unterkühlung: Jungtiere orientieren sich in den ersten Lebenstagen nur durch ihren Temperatursinn – in der Mitte des Nests ist es warm, nach außen hin wird es kühler. Sie können ihre Körpertemperatur noch nicht selbstständig halten und orientieren sich immer zur Mitte des Nestes. Um die Temperatur im Nest stabil zu halten, sucht die Häsin die Jungtiere daher nur einmal täglich (maximal dreimal) zum Säugen auf. Das Nest sollte deswegen auch von den Tierhaltern nicht wiederholt geöffnet werden, auch nicht nur mal „ kurz zum Gucken“! Sollte sich in Einzelfällen ein Jungtier aus dem Nest entfernt haben, trägt die Häsin es nicht selbst zurück. Sind die Augen noch geschlossen, kann versucht werden, es zurück ins Nest zu legen. Solange die Augen geschlossen sind, scheinen die Häsinnen ihre Jungtiere nicht individuell zu erkennen. So kann man Jungtiere mit geschlossenen Augen und ungefähr gleichem Alter komplikationslos auch anderen Häsinnen zur Adoption ins Nest legen.
  • Milchmangel: Sollte bei der Häsin ein Milchmangel auftreten, werden die Jungtiere nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Sie liegen anfangs unruhig, später apathisch im Nest, wachsen nicht und fühlen sich ausgetrocknet an. Bei Verdacht auf Milchmangel sollte das Nest täglich in den frühen Morgenstunden kontrolliert werden. Alle Jungtiere sollten zu diesem Zeitpunkt gut gefüllte Bäuche aufweisen, sauber geschleckt sein und warm innerhalb des Nestes liegen. Sollte dies nicht der Fall sein, muss eine Handaufzucht erfolgen oder eine Adoption durch eine andere Häsin versucht werden.
  • Kannibalismus: Bei zu geringem Platzangebot oder großer Unruhe in und um den Stall kann es bei einigen Häsinnen zu unsozialem Verhalten und Aggressionen kommen. Die Häsin frisst einen Teil oder alle ihre Jungtiere oder es werden Ohren, Gliedmaßen oder Schwänze abgebissen. Es muss jedoch klar zwischen Kannibalismus und Nesthygiene unterschieden werden: Totgeborene oder verstorbene Jungtiere werden nämlich auch von der Häsin gefressen, um das Nest sauber zu halten. Dieses Verhalten ist angeboren und völlig normal.

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Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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