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Kaninchen: Darmschutz

Kaninchen fressen hauptsächlich Pflanzen, die aus sehr schwer verdaulicher Zellulose bestehen. Um trotzdem ausreichend Nährstoffe aus Pflanzen gewinnen zu können, besitzen Kaninchen ein sehr spezialisiertes Verdauungssystem.

Der für die Verdauung der Zellulose wichtigste Verdauungsabschnitt ist der Blinddarm, in dem eine Vielzahl von verschiedenen Bakterien angesiedelt ist. Diese Bakterienflora, auch Darmflora genannt, besitzt zur optimalen Verwertung der Zellulose eine bestimmte Zusammensetzung, die sehr empfindlich ist und leicht gestört werden kann. Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora führen sehr schnell zu lebensbedrohlichen Verdauungsstörungen.

Häufige Gründe für eine veränderte Darmflora sind:

  • Fressunlust: Der Nahrungsbrei wird bei Kaninchen nicht aktiv durch den Darmkanal transportiert, sondern nur durch ständigen Schub bei der Aufnahme neuer Nahrung. Deswegen nehmen Kaninchen bis zu 120 Mahlzeiten täglich auf. Wird keine Nahrung aufgenommen, bleibt der Futterbrei unnatürlich lange im Darm liegen. Dadurch entstehen so genannte Fehlgärungen, die die bakterielle Zusammensetzung im Darm verändern. Kaninchen, die nicht freiwillig fressen, müssen deswegen nach spätestens 24 Stunden zwangsernährt werden.
  • Antibiotika-Gaben: Antibiotika töten Bakterien ab oder hemmen diese in ihrem Wachstum. Sie wirken bei systemischen Gaben immer im gesamten Organismus, also auch auf die Bakterien im Darm. Die Darmflora wird dadurch massiv geschädigt.
  • Futterumstellung: Jede Futterumstellung führt zu einer Veränderung der Darmflora und sollte deshalb immer langsam erfolgen.

Aus diesem Grund muss bei jeder Gabe eines Antibiotikums ein so genannter Darmschutz erfolgen:

  • Probiotika: So genannte Probiotika enthalten eine hohe Anzahl von Bakterien und sorgen so für einen permanenten Nachschub. Es sind verschiedene Mittel beim Tierarzt, in der Apotheke oder im Zoofachhandel erhältlich und nach Rücksprache mit dem Tierarzt einzugeben.
  • Die notwendigen Bakterien könnten idealerweise auch aus dem Blinddarmkot gesunder Tiere gewonnen werden. Da dieser jedoch nur in den seltensten Fällen gewonnen werden kann, können auch normale Kotballen genutzt werden. Dazu werden einige Kotballen eines gesunden Tieres in Wasser aufgelöst und gewartet, bis sich die festen Kotbestandteile am Boden abgesetzt haben. Die flüssigen Bestandteile können mit einer Pipette oder Spritze abgesaugt werden und dem kranken Kaninchen zweimal täglich verabreicht werden.

Abb. GL97ZTE0
Abb. GL97ZTE0: Blinddarmkot.
Oben zu sehen der glänzende, oft weiche Blinddarmkot. Im Vordergrund eine normale Kotkugel.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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